Lehrgang
LEHRGANG 2026-2028
Zweijährige berufsbegleitende Ausbildung
Einführung – Was ist Dispokinesis?
Die Dispokinesis versteht sich als Lern- und Entwicklungsweg für Musiker·innen, die Haltung, Ausdrucksfähigkeit, Atmung und Bewegungsabläufe beim Musizieren verfeinern möchten. Entwickelt in den 1950er Jahren vom niederländischen Pianisten und Physiotherapeuten G. O. van de Klashorst vereint diese Arbeitsweise Erkenntnisse aus Anatomie, Neurologie, Anthropologie und Bewegungsphysiologie. Über Bewegungserfahrungen an den sogenannten Urgestalten von Haltung und Bewegung lernen Instrumentalist·innen und Sänger·innen, ihre individuelle Disposition am Instrument und mit der Stimme zu entwickeln. Dabei steht die Schulung der Eigenwahrnehmung im Vordergrund. So können Haltungs- und Bewegungsabläufe beim Musizieren mit Hilfe neuer Vorstellungen leicht und verlässlich werden.
Für Musiker·innen aller Fach- und Stilrichtungen sowie für Musikpädagog·innen und therapeutische Fachkräfte bietet die Dispokinesis einen sowohl präventiven als auch rehabilitativen Ansatz. Viele Musikhochschulen in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz haben Dispokinesis bereits fest in ihren Lehrplänen verankert, damit zukünftige Profimusiker·innen frühzeitig Kompetenzen im Umgang mit ihrem Körper erwerben. Dieser Ansatz schließt eine wesentliche Lücke zwischen Musikpädagogik und Medizin, indem er künstlerische und körperliche Aspekte des Musizierens zusammenführt und den Menschen in seiner Gesamtheit anspricht. Typische Probleme wie chronische Verspannungen, spielbedingte Schmerzen, ungelöste technische Fragestellungen und Bühnenängste können an der Wurzel angegangen und nachhaltig gelindert oder ganz vermieden werden. Positive Veränderungen von Körperhaltung, Atmung, Muskeltonus und mentaler Verfassung führen zu einer neuen Leichtigkeit im Spiel – und letztlich zu größerer Freiheit im künstlerischen Ausdruck.
Neuer kompakter Lehrgang – 2 Jahre, praxisnah und berufsbegleitend
Im Jahr 2026 startet der Dispokinesis-Lehrgang der Europäischen Gesellschaft für Dispokinesis in einem neuen Format, das die bisher dreijährige Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt. Diese Neustrukturierung macht den Lehrgang kompakter und kosteneffizienter für die Teilnehmer·innen. Die zweijährige Ausbildung ist bewusst berufsbegleitend konzipiert: Lernphasen und Präsenztermine liegen überwiegend an Wochenenden, sodass sie sich gut in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Trotz der Straffung des Curriculums bleibt die Ausbildung inhaltlich umfassend und praxisnah. Von Anfang an wird das Gelernte am eigenen Körper erfahren und reflektiert – ein intensiver Lernprozess, der Raum für persönliche Entwicklung lässt und direkt in die berufliche Praxis der Teilnehmenden einfließt.
Lehrgangsaufbau und Inhalte
Die Ausbildung gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil erstreckt sich über 1,5 Jahre und legt den Schwerpunkt auf Selbsterfahrung und Grundlagenwissen. Im Zentrum stehen die Urgestalten (ein Übungszyklus grundlegender Haltungs- und Bewegungsformen) und die Arbeit an den Instrumenten, ergänzt durch Dispokinesiologie (Theorie und Praxis der Dispokinesis), Anatomie und Physiologie, Neurophysiologie des Lernens sowie die Pathologie bestimmter Musikerkrankheiten. Die Teilnehmenden durchlaufen alle Urgestalten von Haltung und Bewegung nach G. O. van de Klashorst. Die eigenen Bewegungserfahrungen werden reflektiert, zugleich wird fundiertes Wissen über Körperfunktionen, Instrumentalmotorik und Klangphänomene erworben. So entsteht ein tiefgehendes Verständnis für die eigenen Atmungs- und Bewegungsabläufe und deren Einfluss auf die Instrumentalund Gesangspraxis.
Der zweite Teil umfasst 8 Monate und widmet sich besonders der Methodik und Didaktik der Dispokinesis-Vermittlung. In diesem Abschnitt lernen die angehenden Dispokineter·innen, das in Teil 1 des Lehrgangs erworbene Wissen didaktisch aufzubereiten und in verschiedenen Unterrichtssituationen weiterzugeben. Durch Hospitationen, Lehrproben und methodische Übungen erwerben sie praktische Lehrkompetenz, um später Musiker·innen unterschiedlichster Instrumente und Stimmen in Dispokinesis unterrichten zu können. Die Absolvent·innen werden befähigt, als Dispokinesis-Lehrkräfte eigenständig zu arbeiten – sei es im musikpädagogischen Bereich oder in der musikmedizinisch-therapeutischen Praxis.
Der Lehrgang nutzt ein modernes Blended-Learning-Konzept: Online-Module ermöglichen es, theoretische Inhalte ortsunabhängig zu erarbeiten und den Austausch unter den Teilnehmenden zwischen den Präsenzphasen aufrechtzuerhalten. Die Präsenzwochenenden dienen der intensiven praktischen Arbeit, dem persönlichen Kontakt mit dem Dozent·innenteam und dem gemeinsamen Üben. Diese zweitägigen Seminare finden samstags von 10:00 Uhr bis sonntags um 13:30 in der Musikschule von Hildesheim statt, die dazwischenliegenden Online-Module samstagsvormittags von 10.00-13.00 Uhr.
Parallel zum Lehrgang nehmen alle Teilnehmer·innen verpflichtend Einzelunterricht in Dispokinesis bei einer qualifizierten Lehrkraft für Dispokinesis ihrer Wahl vor Ort. Dieser individuelle Unterricht läuft während der gesamten zwei Jahre begleitend und vertieft die persönliche Übungspraxis. Eine Bescheinigung über den kontinuierlichen Einzelunterricht ist erforderlich, um den Lehrgang erfolgreich abzuschließen.